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Selbstgemachtes

16. April 2024

In meinem Liederkoffer habe ich bereits mehr als 100 eigene Lieder und Musikaktionen, Rhythmicals und Musikspiele gesammelt.

Da ich jeder Musikstunde ein eigenes Stundenbild zugrunde lege und einzelne Stunden ebenso wie Stundenabfolgen sehr gern themenspezifisch gestalte, bin ich fortlaufend auf der Suche nach stimmigen, inhaltlich tragenden Elementen. So ist es nahezu unabdingbar, dass eine Musikstunde im Frühling auch von Blumen und Bienen, von Schmetterlingen oder kleinen Krabbelkäfern erzählt – und diese Bilder nicht nur beschreibt, sondern klanglich erfahrbar macht.

Aus diesen thematischen Impulsen heraus entstehen Melodien, Texte und rhythmische Strukturen, die das jeweilige Stundenbild nicht nur abrunden, sondern es musikalisch tragen. Musik wird dabei zum verbindenden Element, das Inhalte zusammenführt, vertieft und auf einer sinnlichen Ebene zugänglich macht.

Alle meine Lieder halte ich in einem professionellen Notensatz mit MuseScore fest und arrangiere sie digital mit Logic Pro weiter. Dabei nutze ich bewusst die Möglichkeiten des Loopens: Mehrere musikalische Ebenen werden nacheinander eingespielt, einzeln gestaltet und schließlich zu einem Gesamtklang zusammengeführt. So entstehen vielschichtige, handgemachte Arrangements, die sowohl im Unterricht als auch darüber hinaus einsetzbar sind und die künstlerische Idee einer Musikstunde hörbar weitertragen.

Künstlerisch selbst Musik zu erschaffen erfüllt mich sehr. Eigene Lieder und Unterrichtsmaterialien zu stimmigen Stundenbildern zusammenzuweben und diese schließlich mit Kindern und altersgemischten Gruppen im gemeinsamen Singen zum Klingen zu bringen, erlebe ich als besonders bereichernd. Die wertschätzende Resonanz meiner kleinen und großen Sängerinnen und Sänger bestärkt mich darin, dass Musik nicht nur ein Unterrichtsinhalt ist, sondern eine lebendige Ausdrucksform.

Jede Musikstunde soll dabei abwechslungsreich und vielschichtig gestaltet sein. Mir ist es wichtig, Elemente zu verbinden, die zum künstlerischen und kreativen Gestalten anregen, die Raum für Improvisation und Exploration eröffnen und gleichzeitig das Erleben von Gemeinschaft stärken. Musik wird so zu einem Erfahrungsraum, in dem Kinder sich ausprobieren, ausdrücken und im Miteinander wachsen können.

Besonders spürbar wird diese gemeinsame Kraft, wenn neue Lieder entstehen und im Gruppenkontext gefestigt werden – bis hin zu kleinen Aufführungen im vertrauten Rahmen, in denen die Gruppe das Erarbeitete mit Stolz präsentiert. Jede Stunde soll dabei Bewegung ermöglichen, Interaktion fördern und Erfahrungsräume öffnen, die über das reine Musizieren hinausgehen.

Damit Kinder und Eltern einzelne Stundeninhalte auch zu Hause erinnern, vertiefen und weiterführen können, gibt es seit einigen Jahren das digitale Musikzimmer auf tingeli.de. Dort stelle ich Notenmaterialien, Begleitideen für Klavier und Gitarre, Videomaterialien sowie Hörbeispiele und Impulse zur weiteren Gestaltung zur Verfügung.

Das digitale Musikzimmer bewahrt so den gemeinsamen Erfahrungs- und Erlebnisschatz aus den Musikstunden und trägt ihn über die eigentliche Unterrichtszeit hinaus weiter – hinein in den Familienalltag, in dem Musik erneut aufgegriffen, variiert und lebendig gehalten werden kann.

Da das Singen im familiären Kontext im Laufe der Zeit immer mehr an Selbstverständlichkeit verloren hat, lade ich Familien über das Jahr hinweg zu verschiedenen themenzentrierten Musikangeboten ein. Hierbei steht das altersübergreifende, gemeinsame Singen im Vordergrund. Eltern und Kinder, Großeltern und Freunde kommen im Familiensingen zusammen, um gezielt neues Liedgut zu erlernen und dieses im chorischen Gruppengesang lebendig werden zu lassen.

Im gemeinsamen Singen entsteht ein Raum, in dem sich Stimmen verbinden, Klang trägt und Gemeinschaft hörbar wird. Musik wird hier nicht nur reproduziert, sondern im Moment gestaltet: durch das Aufeinander-Hören, durch das gemeinsame Atmen, durch das bewusste Formen von Klang, Dynamik und Ausdruck. So entsteht ein künstlerischer Prozess, der von jeder einzelnen Stimme mitgetragen wird und zugleich über sie hinausweist.

Meine eigenen Lieder und musikalischen Arrangements bilden dabei die Grundlage, um Musik nicht nur zu erleben, sondern aktiv mitzugestalten. Durch das gemeinsame Singen, Variieren und Weiterentwickeln von musikalischem Material wird ein Zugang zu Musik geschaffen, der schöpferisch ist und zur eigenen Ausdrucksfähigkeit ermutigt. Kinder wie Erwachsene erfahren sich dabei als Teil eines klingenden Ganzen – und zugleich als individuell gestaltende Persönlichkeiten.

So verstehe ich das Familiensingen als einen Ort lebendiger Musikpraxis, in dem künstlerisches Tun selbstverständlich wird: als gemeinsames Erleben, als Ausdrucksform und als Einladung, Musik aus sich selbst heraus entstehen zu lassen und weiterzutragen.