Wenn das Zebra den Takt vorgibt
Tiermusiken – bunte Gedanken für ein nächstes Familienkonzert im Kindergarten
Die Türen ins Musikzimmer öffnen sich in Gedanken schon für unsere Tiermusiken.
Doch was pfeifen die Spatzen eigentlich von den Dächern? Sind Mäuse wirklich mucksmäuschenstill? Und sind Fische tatsächlich so stumm, wie die Redensart es von ihnen behauptet?
Wer der Tierwelt aufmerksam zuhört, merkt schnell: Besonders still geht es dort nicht zu. Es kräht, bellt und muht, es summt, flattert, trippelt und scharrt. Manche Tiere machen sich mit kräftiger Stimme bemerkbar, andere huschen eher leise durch unsere Lieder.
Die Tierwelt bringt einen riesigen Koffer voller Klänge, Rhythmen, Bewegungen und Geschichten mit. Für mich ist sie deshalb schon lange eine musikalische Fundgrube – und der Gedanke an ein eigenes Familienkonzert mit unseren Tiermusiken begleitet mich bereits seit einiger Zeit.
Alle einmal hergehört:
Wir machen jetzt ein Tierkonzert!Und auch wenn dieses Konzert noch nicht stattgefunden hat, ist seine musikalische Welt längst geschrieben.
Über die Jahre ist in meiner Musikwerkstatt ein großer Fundus eigener Tierlieder, Rhythmicals, Musikspiele und vollständig ausgearbeiteter Stundenbilder entstanden. Dazu gehören handgeschriebene Liedtexte und Melodien ebenso wie Notensätze, Begleitideen und selbst gestaltete Arbeitsmaterialien.
Dabei stehen die Tierlieder nicht einfach lose nebeneinander. Jedes Lied öffnet eine eigene musikalische Lernwelt, in der künstlerisches Gestalten und musikpädagogisches Lernen ineinandergreifen.
Muster werden Musik
„Das Zebra, das hat Streifen und davon ziemlich viel“, heißt es in meinem gleichnamigen Lied, in dem es um Gemeinsamkeiten und Unterschiede geht, um Muster und Wiedererkennung, um Kontrast und Anziehung.
Das Zebra begegnet einem gepunkteten Käfer, einer bunt gefleckten Kuh und einem Wurm, der stolz seine Ringel zeigt. Jedes Tier trägt sein eigenes Muster und unterscheidet sich von den anderen. Und genau solche Muster begegnen uns auch in der Musik.
Rhythmen bestehen aus wiederkehrenden Abfolgen. Töne können lang oder kurz sein, Bewegungen langsam oder schnell. Klänge tauchen auf, werden wiederholt, verändert und miteinander verbunden. Aus einzelnen musikalischen Bausteinen entsteht nach und nach ein geordnetes Ganzes.
Mit dem Zebra gelingt der Weg in diese musikalische Gedankenwelt beinahe wie von selbst.
Auf meinem begleitenden Arbeitsblatt werden die unterschiedlichen Tiermuster in Musik und Bewegung übersetzt: Die Streifen des Zebras klatschen wir in einem gleichmäßigen Puls. Die Punkte des Käfers werden mit dem Finger getupft, die großen Flecken der Kuh gestampft und die Ringel des Wurms mit der Stimme gleitend nachgezeichnet.
So wird aus etwas Sichtbarem etwas Hörbares und Spürbares.
Die Kinder entdecken Muster zunächst mit den Augen, übertragen sie anschließend auf den Körper und gestalten sie schließlich mit Stimme und Klang. Danach entwickeln sie eigene Reihen und halten erste musikalische Ideen mit selbst gewählten Zeichen auf dem Papier fest. So entsteht eine kindgemäße Vorform musikalischer Notation, die wir gemeinsam lesen und wieder zum Klingen bringen können.
Auch das Tempo findet im Lied seinen Platz: Am Ende gehen alle Tiere weiter – mal langsam und mal schnell. Die Kinder hören den Unterschied nicht nur, sondern setzen ihn unmittelbar in Bewegung um.
Fachliches Lernen im Spiel
Der spielerische Rahmen steht dabei nicht im Gegensatz zum fachlichen Lernen. Er ist der Zugang dazu.
Die Kinder müssen Begriffe wie Puls, Rhythmus, Tempo oder musikalisches Muster nicht zuerst theoretisch erklären können. Sie erleben deren Bedeutung mit dem ganzen Körper. Sie klatschen einen gleichmäßigen Puls, verändern Bewegungen, ordnen Klänge, erkennen Wiederholungen und gestalten eigene musikalische Verläufe.
Was sich für sie wie ein kunterbuntes Spiel anfühlt, folgt einer bewusst geplanten musikpädagogischen Entwicklung: vom Wahrnehmen über das körperliche und stimmliche Erleben bis hin zum bewussten Ordnen und eigenen Gestalten.
In dieser Form der Elementaren Musikpädagogik greifen meine eigenen Kompositionen und Liedtexte, die musikalische Gestaltung und die altersgerechte Vermittlung grundlegender musikalischer Zusammenhänge ineinander.
Ausblick · ein Familienkonzert in Planung
Eine Bühne für unsere Tiermusiken
Aus diesem gewachsenen Konzept soll eines Tages ein Familienkonzert im Kindergarten entstehen. In Gedanken habe ich den roten Faden für unser Tierkonzert längst gesponnen.
Die tierisch-musikalischen Inhalte erarbeiten und erproben wir zuvor im laufenden Unterricht. Im Familienkonzert führen wir die klingenden Ergebnisse zusammen und machen sie über den vertrauten Kreis unserer Musikgruppe hinaus auch für die Eltern sichtbar und hörbar. Das Familienkonzert steht damit nicht losgelöst neben unserem laufenden Musikunterricht, sondern ist seine ergänzende Fortführung.
Dabei stelle ich mir kein Konzert vor, bei dem die Kinder vorne stehen und ihre Familien ausschließlich zuhören. Die Kinder dürfen zeigen, welche Lieder, Rhythmen, Tiermuster und musikalischen Zusammenhänge sie bereits kennengelernt haben. Sie können einen Rundgesang anstimmen, das Tempo vorgeben oder ihren Familien vormachen, wie ein Zebramuster klingt.
Und natürlich wird es nicht lange beim Zuhören bleiben.
Auch die Erwachsenen dürfen mitsingen, Rhythmen aufgreifen und sich von den Kindern durch unsere kunterbunte musikalische Tierwelt führen lassen. So findet die kontinuierliche Arbeit aus unseren Musikstunden in einem gemeinsamen Familienkonzert ihren besonderen Höhepunkt.
Unsere musikalisch-tierische Schatztruhe ist bereits randvoll, und auch im digitalen Musikzimmer liegen die allermeisten Stücke mit Notenmaterialien, Begleitideen, Hörbeispielen und Videos bereit.
Noch haben unsere Tiermusiken keinen Konzerttag. Doch hinter der Tür zum Musikzimmer scharrt, flattert, trippelt und singt es längst.
