Ein roter Drachen, eine wachsende Baumkrone und die Frage, was man eigentlich alles werfen kann, um ein Problem zu lösen. Ein urkomischer Blick auf das Bilderbuch von Oliver Jeffers.
Das lustige Bilderbuch „Steckt“ von Oliver Jeffers, erschienen beim NordSüd Verlag, liegt schon eine ganze, lange Weile auf meinem Schreibtisch, an oberster Stelle auf dem Stapel der Kinderbücher, die ich unbedingt besprechen und Euch vorstellen möchte. Es ist nämlich ein ganz besonderes Buch (das mir freundlicherweise als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde): „Steckt“ erzählt die Geschichte vom kleinen Floyd, der den Herbstwind nutzen möchte, um seinen roten Drachen fliegen zu lassen.
Spätestens jetzt ist klar, warum das Buch so lange auf dem besagten Bücherstapel warten musste: Erst war es Frühling, dann war es Sommer und endlich:
Jetzt ist der Herbst da!
Zurück also zum kleinen Floyd, der nicht nur einen rot-weiß karierten Pullover an hat, sondern auch noch einen knallroten Drachen in der Hand. Die Vorfreude auf das Drachenspiel steht ihm ins Gesicht geschrieben und wäre nicht alles anders als erwartet, würde Floyd genau jetzt seinen roten Drachen im Herbstwind fliegen lassen.
Schon auf der ersten Seite nimmt die witzige Geschichte an Fahrt auf, genau wie Floyds Drachen, der von einer Windböe erfasst, hoch oben im Baum steckenbleibt.
Er zieht und zerrt an der Drachenschnur, aber der Drachen steckt einfach fest. Was sollte Floyd da anderes tun, als seinen Lieblingsschnürschuh – 1, 2, 3 in den Baum zu werfen. Doch der Drachen bewegt sich keinen Millimeter. Also wirft er auch den zweiten Lieblingsschnürschuh in die Baumkrone, auf dass sein Drachen wenigstens ein bisschen locker geruckelt würde und vielleicht auf die Erde fiele. Aber nichts passiert.
Und so kommt es schließlich, wie es kommen muss. Floyd schnappt sich die Katze, die, das wusste Floyd, häufig mal in Bäumen feststeckt, und wirft sie 1, 2, 3 einfach hinterher. Doch der Baum, samt Drachen, Lieblingsschnürschuhen und Katze steht felsenfest. Also holt Floyd die große Leiter und wirft sie 1, 2, 3 ebenfalls hinauf.
So geht es weiter und weiter, bis schließlich neben dem roten Drachen, den Lieblingsschnürschuhen und der Katze auch die große Leiter, der Farbeimer, die Ente, der Stuhl und das Fahrrad, die Küchenspüle und die Haustür im Baum stecken.
Selbst den Milchmann und einen Orang-Utan, der bestimmt Besseres zu tun hätte, wirft Floyd hinterher.
Er nimmt sich, was er kriegen kann, und wirft alles 1, 2, 3 in die Baumkrone hinein: ein Haus, einen Leuchtturm, einen neugierigen Wal, sogar die Feuerwehr samt Feuerwehrmännern … und alles bleibt einfach stecken! So geht es noch eine ganze Weile weiter, bis sein roter Drachen, völlig unerwartet, vom Baum segelt. Floyd ist aus dem Häuschen, denn den Drachen hatte er längst vergessen. Der Herbstwind pustet, lässt den Drachen tanzen und Floyd ist glücklich.
Was meint Ihr, ob sich Floyd abends in seinem Bett daran erinnert, was er vergessen hat?
Das Bilderbuch „Steckt“ erzählt in kindgerechten, kurzen Sätzen die urkomische Geschichte von Floyd und seinem Drachen. Ganzseitig und bunt bebildert, gelingt es dem Autor und Illustrator Oliver Jeffers, die Blicke der kleinen und großen Leser auf das Wesentliche zu lenken. Da stechen die Katze, der Wal und das Schiff, neben allen anderen geworfenen Details, kontrastreich ins Auge.
Das Buch thematisiert die dritte Jahreszeit am Rande und ist dabei so erfrischend anders und ein hervorragender Grund, gemeinsam zu lachen!
Bibliografie:
„Steckt“
Herausgeber: NordSüd Verlag, 4. Auflage 2021
Autor und Illustrator: Oliver Jeffers, übersetzt von Anna Schaub
Durchgehend farbig illustriert, gebundene Ausgabe / Hardcover, 22,6 x 31,2 cm, 32 Seiten
Lesealter: ab 4 Jahren
ISBN: 978-3-314-10280-6
Und was bleibt?
Die Erkenntnis, dass man manchmal einfach alles in einen Baum werfen muss, um am Ende zu merken, wie viel Spaß herrlicher Unsinn machen kann. Ein wunderbares Buch zum laut Auflachen!

