Wenn das Jahr leise wird
Ein Familienkonzert zwischen Koshiklang, Kerzenlicht und klingender Vorfreude

Eigentlich soll der Advent eine stille Zeit sein. Eine Zeit, in der wir ein wenig näher zusammenrücken, Lichter anzünden, zurückblicken und uns auf Weihnachten freuen.
Eigentlich.
Denn kaum ist das erste Türchen am Adventskalender geöffnet, scheint jemand die Zeit auf Vorspulen gestellt zu haben. Vielleicht war es sogar ein Weihnachtswichtel, der sich einen Spaß daraus macht und die Besinnlichkeit einfach versteckt.
Die Terminkalender der Erwachsenen brechen aus allen Nähten, Weihnachtsfeiern treffen auf Jahresabschlüsse, Wunschzettel auf Einkaufslisten und die Vorstellung eines besinnlichen Nachmittags auf all die Dinge, die vorher noch unbedingt erledigt werden müssen.
Jeder bringt seine eigenen Wünsche und Erinnerungen an diese besondere Zeit mit. Wir möchten Plätzchen backen, Geschenke auswählen, das Haus schmücken, Weihnachtsmärkte besuchen und nebenbei das vergangene Jahr in Ruhe Revue passieren lassen. Und dann ist da der Alltag, der unsere wohlgeordneten Vorstellungen mit Terminen, Verpflichtungen und überraschend kurzen Dezembertagen kreuzt.
Vielleicht lässt sich Besinnlichkeit gar nicht in den Kalender schreiben. Vielleicht entsteht sie genau dort, wo wir für einen Moment aufhören, ihr hinterherzulaufen.
In unseren Musikstunden bekommt der Advent deshalb seinen eigenen Raum. Wir rücken zusammen, lauschen auf die leisen Klänge und lassen das geschäftige Drumherum für eine kleine Weile vor der Tür warten.

Dabei hat sich sogar unser großer Wintergong verwandelt. Vier kleine LED-Kerzen stehen auf seinem bronzefarbenen Klangkörper und machen aus ihm einen klingenden Adventskranz. In jeder Woche leuchtet ein Licht mehr. Aus einem vertrauten Instrument ist ein kleines Ritual geworden, das den Kindern zeigt: Weihnachten kommt näher.
Bevor wir den Gong anschlagen, betrachten wir die Lichter. Wir zählen, erinnern uns an die vergangene Woche und überlegen, welches Licht heute dazukommen darf. Dann schwingt sein tiefer Ton durch den Raum und scheint noch eine ganze Weile in der Luft zu bleiben.
Im Advent haben auch die stillen Instrumente besonders viel zu erzählen.
Sansula, Koshi, Glockenspiel und Choroi-Harfe müssen nicht laut werden, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen. Oft genügt ein einziger schwebender Klang, und aus lebhaftem Stimmengewirr wird neugieriges Lauschen.

Gerade die leisen Töne, die uns Choroi-Harfe oder Zauberharfe schenken, zeigen, wie viel Musik selbst in den Pausen dazwischen steckt.
In unseren Liedern und Musikspielen finden die Bräuche und Bilder der Adventszeit ihren Platz. Wir singen von Lichtern und Sternen, von Schnee und Nüssen, von erwartungsvollen Wintertagen und natürlich auch von Schneemännern.
Traditionelle Weihnachtslieder stehen neben meinen handgeschriebenen Liedern, Rhythmicals und musikalischen Spielideen. So entsteht nach und nach ein goldenes Potpourri aus Bekanntem und Neuem, das uns musikpädagogisch durch den Advent begleitet.
Die Kinder erleben den Advent dabei nicht nur durch Worte. Sie können ihn hören, spielen, bewegen und mitgestalten. Eine Nuss wird zum Rhythmusinstrument, ein Tuch zum wirbelnden Schneegestöber und ein einzelner Glockenton zu einem kleinen Licht, das durch den Musikraum wandert.
Familienkonzert · Advent 2024
Ein musikalischer Adventsmoment für die ganze Familie
Im Advent 2024 haben wir die Türen unseres Musikzimmers für die Familien geöffnet und unsere gemeinsamen Adventslieder in einem Familienkonzert zusammengebracht.
Die Kinder haben ihren Eltern gezeigt, welche Lieder, Klänge und Rituale sie in den vergangenen Wochen begleitet haben. Voller Stolz konnten sie dabei hörbar machen, wann ein Instrument seinen Einsatz bekommt, wie ein Rhythmus weitergegeben wird und wann aus vielen einzelnen Stimmen ein gemeinsamer Gesang entsteht.
Unser Adventssingen war jedoch kein Konzert, bei dem die Erwachsenen ausschließlich zuhören. Vielmehr hat es dazu eingeladen, selbst mit einzustimmen und sich von den Kindern in ihre musikalische Adventswelt mitnehmen zu lassen.

Während unseres Adventskonzerts haben Einkaufslisten, Jahresabschlüsse und volle Terminkalender keine Rolle gespielt. Alle Eltern waren voller Stolz und mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit bei ihren Kindern. Und die Kinder waren mindestens ebenso stolz darauf, ihren Eltern zeigen zu dürfen, was sie schon alles können.
Vielleicht ist genau das die besondere Kraft eines Adventskonzerts: Es schenkt uns keine zusätzliche Zeit. Aber es verändert für eine kleine Weile, wie wir sie erleben.
Am Ende ist der Dezember nicht länger geworden und vermutlich hat auch zu Hause noch die eine oder andere Aufgabe gewartet. Doch zwischen Koshiklang, Glockenspiel und vielen gemeinsamen Stimmen ist etwas entstanden, das sich nicht planen oder auf einer Liste abhaken lässt.
Ein stiller, warmer Augenblick inmitten einer geschäftigen Zeit.

